Brand - und Verletzungsgefahren beim Grillen

Grillen gehört zum Sommer wie das Schwimmbad. Grillen heisst gemeinsame Zubereitung, gemeinsamer Genuss und gleichzeitig entspannte Atmosphäre in freier Natur.


Damit diese für alle zum gelungenen Freizeiterlebnis und nicht zum Desaster wird, empfielt die Feuerwehr die Beachtung einiger Grundregeln. Sollten diese Ratschläge befolgt werden, steht einer vergnüglichen und unfallfreien Grillparty nichts mehr in Wege.

Eigentlich ist ja das Anzünden eines Grilles eine recht einfache Sache,  und jeder halbwegs normale Mensch kommt dabei auch ohne kluge Ratschläge zurecht, sollte man meinen.

Leider sprechen die Unfallzahlen an der Stelle eine andere Sprache:

- ca. 4000 Grillunfälle geschehen jedes Jahr alleine in Deutschland
- davon enden 400 mit schwersten Brandverletzungen

Was bedeutet das nun: unbeschreibliche Schmerzen, Lebensgefahr, zahlreiche Operationen, wochen-/monatelanger Krankenhausaufenthalt, jahrelange Therapien, lebenslange Narben, unendliches Leid in den Familien...

... das Alles nur, weil JEMAND Spiritus auf den Grill geschüttet hat.

Verhalten flüssiger Brandbeschleuniger

Die Gefahr von flüssigen Brandbeschleunigern wie z.B. Spritus, Benzin etc. wird häufig unterschätzt: Die Brandverstärker beginnen sehr rasch zu verdunsten und bilden dabei hoch explosive Dämpfe.
Diese Dämpfe breiten sich aus und verbrennen bei Kontakt mit einer Zündquelle explosionsartig. Eine riesige Feuerwand kann entstehen und die Flammen können sich bis zu zehn Meter verbreiten - mit verhängnisvollen Folgen für alle, die sich in der Nähe befinden wie z.B. Kinder, die in der Nähe des Grills spielen.

Auch durch das Nachschütten von Spiritus auf die bereits glühende Grillkohle entsteht eine gewaltige Stichflamme, die innerhalb von Sekundenbruchteilen die Kleidung umstehender Personen in Brand versetzen kann und dabei sogar die Dämpfe der Spiritusreste in der Flasche entzünden können.

Noch dramatischer werden diese Szenarien, wenn anstatt von Spiritus Benzin zur Anwendung kommt. Die Benzindämpfe sind schwerer als Luft und breiten sich rund um den Griller am Boden aus. Kommen sie durch einen Zündfunken zur Explosion, steht der „Grillmeister“ innerhalb von Sekundenbruchteilen in einem Flammensee. Solche Situationen bedeuten dann höchste Lebensgefahr!

hohe Temperaturen

Die Temperaturmessung an der Außenseite des Grilles beweist, dass auch ein kurzzeitiger Hautkontakt zu schwersten Verbrennungen führen kann und dass selbst die Strahlungshitze ausreicht, um brennbare Materialien in der näheren Umgebung zu entzünden.

Genaue Zahlen zu den dadurch ausgelösten Bränden und der Höhe der damit verbundenen Sachschäden gibt es allerdings nicht. Die Erfahrungen aus der Brandursachenermittlung zeigen aber, dass der Funkenflug aus Grillgeräten oder die unsachgemäße Entsorgung der Grillkohle in diesem Zusammenhang die häufigsten Brandursachen darstellen.

Aber auch durch zu geringe Sicherheitsabstände und umkippende Grillgeräte werden immer wieder Brände verursacht.

Leichtsinn und mangelnde Vorsicht beim Grillen sind brand- und lebensgefährlich!

Beim Grillen sollten niemals Brandbeschleuniger verwendet werden. Immer wieder kommt es beim Benutzen von Mitteln wie Spiritus zu gefährlichen Verpuffungen und Rückzündungen, warnen Experten.

Die Folge solcher Grillunfälle sind häufig schwerste Verbrennungen, unter denen die Betroffenen ihr Leben lang leiden - wenn sie den Unfall überleben. Darauf weisen die Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder und Paulinchen - Initiative für brandverletzte Kinder in Bonn hin.

Richtige Erstversorgung von Brandverletzungen

Als allererste und wichtigste Maßnahme gelte es, die thermische Einwirkung zu unterbrechen. Am wirkungsvollsten können die Flammen gelöscht werden, indem sich das Opfer auf dem Boden rollt. Ebenso effektiv sei das Einwickeln des Brandopfers in eine Decke. Die Suche nach Löschwasser führe hingegen oft zu unnötigen Zeitverzögerungen, die Opfer irrten dann oft minutenlang als brennende Fackeln herum, während die thermische Schädigung weiterhin erfolge. Egal wie – die Flammen müssen so schnell wie möglich gelöscht werden, sonst stirbt das Unfallopfer.

In einem zweiten Schritt gilt es dann, wärmehaltige Kleidung zu entfernen und die Wunden zu kühlen. Vor allem bei kleineren Brandverletzungen sei die Kühlung durch Wasser sinnvoll, sie dürfe aber niemals zur Unterkühlung führen: "Kühle die Wunde aber wärme den Patienten, lautet der Grundsatz. Das Wasser sollte nicht kälter als 15 Grad Celsius sein. Wasser unter acht Grad kann bereits die Gewebsschäden verstärken.“ Schließlich sollten die Brandwunden mit einer sterilen, aluminiumbeschichteten Wundauflage versorgt werden, im Notfall reduziere auch eine simple Frischhaltefolie das Abdampfen und verhindere somit das Austrocknen der betroffenen Hautteile.

Sicherheitstipps beim Grillen

Worauf sollte man daher beim Aufstellen des Grilles achten?

• Der Grill sollte auf einer ebenen Standfläche stehen.
• Den Grill nicht in der Nähe von leicht brennbaren Materialien wie Schilfmatten, Gartenmöbel mit Sitzpolster, Holzbauten, Holzzäunen usw. in Betrieb nehmen.
• Nicht im Wald oder in Waldnähe grillen.
• Betreiben sie den Grill auf keinen Fall in geschlossenen Räumen.

Warnung vor Grillen in Innenräumen

Wenn Regenwetter das Grillvergnügen trübt, sollte der Grill keinesfalls in geschlossenen Räumen aufgestellt werden. Das Heizen mit einem offenen Grillfeuer und Propangasbrennern kann im Innenraum zur Todesfalle werden.

Das Grillen in Gartenlaube, Garage oder Wohnung sei gefährlich, weil schon geringe Mengen von Kohlenmonoxid in der Raumluft zu schweren Störungen des Sauerstofftransportes im Blut führten. Davon seien zuerst das Gehirn und das Herz betroffen. Alarmzeichen seien etwa Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen, Herzrasen und Kurzatmigkeit. Bei Bewusstlosigkeit müsse sofort ein Notarzt alarmiert werden.

Hintergrund

Die Atmung wird blockiert

· Achtung Lebensgefahr!

Brennt Holzkohle ab, bildet sich neben den Brandgasen das farb – und geruchlose Gas Kohlenmonoxid (CO). Da der Grill keinen Kamin (Rauchabzug) hat, können die Gase beim Betrieb im Innenraum nicht abzuziehen. In der Raumluft gelangen sie in die Atmung von Mensch und Tier. CO bindet sich an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin.

Die Folge: das Blut kann keinen Sauerstoff mehr transportieren. Ohne umgehende intensivmedizinische Hilfe drohen schwere Hirnschäden oder der Tod.

· Erstmals in Deutschland

testen die Berufsfeuerwehr Wiesbaden und weitere Rettungskräfte für eine Studie den Einsatz von CO-Messgeräten mit Warnmeldern: auch Helfer im Brandfall geraten ahnungslos leicht in Lebensgefahr, wenn das farb- und geruchlose Gas ihre Atmung bedroht. Die Untersuchung, die bis Mai 2012 läuft, soll helfen herauszufinden, wann und wo eine mögliche Gefahr für Feuerwehrleute oder medizinisches Personal entsteht. (wrk)

Wie zündet man Grillkohle richtig an?

• Am besten mit Grillanzündern aus festen Stoffen. Das sind vor allem Trockenspiritus, Anzünderiegel, Zündwürfel usw. Weiters eignen sich Anzünd-Öle in Spezialflaschen und Grillpasten. Mittlerweile sind auch elektrische Grillanzünder erhältlich.
• Brennbare Flüssigkeiten wie Spiritus und Benzin sind zu gefährlich (Stichflamme beim Anzünden sowie explosionsartige Rückzündung beim "Nachfeuern") und dürfen keines-falls verwendet werden!

© Leon Görres

Was geschieht mit der Restglut?

• Das Löschen mit Wasser ist am sichersten. Die Restglut sollte dabei unbedingt gänzlich unter Wasser gesetzt bzw. geflutet werden!
• Auch die gelöschte Glut darf nur in nicht brennbare und verschließbare Behälter entsorgt werden.
• Eine Entsorgung der Grillkohle auf dem Kompost sollte vermieden oder zumindest nur nach einer vollständigen Flutung durchgeführt werden.

Vorsichtsmaßnahmen beim Grillen

• Immer einen Kübel Wasser oder sonstige Löschmittel (Feuerlöscher) bereithalten.
• Flammenbildung durch das vom Grillgut abtropfende Fett unterbinden.
• Grillvorgang ständig beaufsichtigen.
• Restglut immer vollständig ablöschen bzw. fluten.

Erste Hilfe bei Brandverletzungen

1. Löschen bzw. Ersticken der Flammen

• „Drop and roll“ also Rollen des brennenden Opfers auf dem Boden.
• oder: Einwickeln des Opfers in nicht-synthetische Decken.
• oder: Löschen mittels Wasser oder Feuerlöscher.

2. Kühlung der Brandwunden

• Entfernung wärmehaltiger Kleidung.
• Ggf. sofortige Kühlung von festsitzender Synthetikkleidung
• Bei kleineren Verbrennungen kann die Kühlung durch eine Kaltwasserdusche erfolgen. Die Wassertemperatur sollte 15 °C nicht unterschreiten. Eine Unterkühlung des Patienten muss unbedingt vermieden werden!
• Auflage von wassergetränkten Tüchern oder noch besser:
• Verwendung von sog. „Rettungsdecken“

3. Versorgen bzw. Verbindung von Brandwunden

... um das Austrocknen der betroffenen Hautteile zu verhindern:
• Auflage von nicht haftenden, sterilen Verbänden (Aluminiumauflage) oder wenn nicht vorhanden:
• Auflage einer (zumeist keimarmen) Frischhaltefolie

Wir wünschen guten Appetit und eine unfall- und schadenfreie Grillsaison!

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